Fast ganz Dresden ist ein Schutt und Trümmerhaufen, einfach unvorstellbar. Wir sind hier nun bei Verwandten von Gertrud untergekommen. Im ganzen sind wir neun Personen hier im Hause unter gekommen und haben auch jeder ein Bett, und geben sich alle rechtschaffen Mühe, daß wir uns wohlfühlen sollen. Müssen nun erst mal sehen wie alles wird.
Ich bin dann am nächsten Tage wieder mit dem Rade und dem Anhänger rein nach Dresden um zu sehen was noch zu retten ist. Unser Keller und Frau Müller Ihrer waren als einzige nicht eingestürzt und sind unsere Sachen darin wenigstens erhalten geblieben, vor allen die Lebensmittel und habe ich nun schon viermal den Weg gemacht und das Wichtigste hierher geholt. Die Kaninchen habe ich alle schlachten müssen, bis auf zwei Häsinnen mit Jungen die ich lebend mit hergenommen habe. Zehn Meter von unserm Stall waren zwei schwere Bomben explodiert und die Ställe von Splittern durchbohrt, aber keins verletzt. Saßen alle scheu in einer Ecke. Die Wege waren ein schweres Stück Arbeit. War einmal so kaputt, daß ich mich auf die Straße gelegt habe um mich auszuruhen. Aber man muß ja retten, was noch zu retten ist. Es ist ohnehin wenig genug, was man noch hat.
Ob man wohl jemals wieder eine Wohnung haben wird? Man darf garnicht daran denken. Und so vieles, was einem niemand ersetzen kann. Bin mir noch nie so arm vorgekommen, als jetzt. Und man ist ja auch nicht mehr in dem Alter, wo man mit frischen Mut nochmal von vorne anfängt. Um Conrad sorgen wir uns auch. Seine letzte Post hatte er am dritten Januar aufgegeben. Aber die Postverhältnisse sind ja auch trostlos und kann es auch daran liegen, daß nichts kommt. Wollen das Beste hoffen. Was soll überhaupt bloß noch werden, wenn alles so weitergeht, denn es sieht doch trostlos aus wohin man sieht. Morgen will ich mal rein nach der Hochschule, die auch zum großen Teil zerstört ist, und sehen was nun eigentlich wird.